Home | Archiv | Impressum


10. November 2017
Dieser Mann ist wirklich wie ein Kind - wie eine ungezogenes, vulgäres Kind. Donald Trump hat keinen Kompass, schon gar keinen moralischen. Das wäre nicht weiter von Belang, wenn dieses Kind nicht zufällig Präsident der Vereinigten Staaten wäre. Chinas Handelspraktiken seien unfair, behauptet Trump seit langem. "Wir dürfen es nicht weiter zulassen, dass China unser Land vergewaltigt. Und das tun sie." (O-Ton Trump im Mai 2016) Plötzlich ist das vergewaltigte Opfer selbst schuld. Sagt zumindest Donald Trump. Nun lobt er China über den grünen Klee und macht seine - natürlich völlig unfähigen - Vorgänger verantwortlich: "Ich gebe nicht China die Schuld, ich mache frühere Regierungen den Vorwurf, China zu erlauben, die USA im Handel auszunutzen, was dazu führte, dass die USA Hunderte Milliarden US-Dollar verlieren. Wie kann China beschuldigt werden, Leute auszunutzen, die keine Ahnung haben? Ich hätte das gleiche getan!" Das liegt auf dem gleichen Niveau wie: "Warum trägt sie auch einen so kurzen Rock?" Bemerkenswert für einen Politiker, der bislang zu Hause keinen einzigen Erfolg vorzuweisen hat.
Wie beeindruckt man Kinder? Indem man ihnen bombastische Geschenke macht. Die hat Trump bei seinem Staatsbesuch in China auch bekommen: Verträge in dreistelliger Milliarden-Höhe und viel, viel Pomp. Oder, wie es das chinesische Außenministerium formulierte, einen "Staatsbesuch plus". Xi Jinping hat Donald Trump offenbar erfolgreich um den Finger gewickelt. Strafzölle in Höhe von 45 Prozent auf chinesische Produkte? Stimmt, da war mal was...
Doch Trump ist Trump. Das bedeutet, man kann seinen Worten nicht trauen, er ist lediglich eine Twitter-Nachricht von der jederzeit möglichen 180-Grad-Wende entfernt. Ob das überschwängliche Lob, das er in Peking über China ausschüttete, morgen noch gilt, weiß er wohl selbst nicht genau. Der US-Präsident ist unberechenbar. Schlecht für seine Landsleute und seine Verbündeten. Die westliche Führungsmacht taumelt orientierungslos hin und her, vermutlich lachen sich Xi Jinping und Wladimir Putin insgeheim ins Fäustchen. Die Unterschiede sind offensichtlich. Das ist ungefähr so, wie wenn der SV Schalding-Heining den Versuch unternimmt, in der Bundesliga mit den Profimannschaften von Bayern München und Borussia Dortmund um die Meisterschaft zu spielen. Nichts gegen den SV Schalding-Heining, aber das kann nur schiefgehen.



© Michael Schöfer, Kleinfeldstr. 27, 68165 Mannheim



Home | Archiv | Impressum