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06. August 2017
Der Hype um die Kryptowährung "Bitcoin" ist ebenso unverständlich wie gefährlich. Unverständlich, weil bis auf eine überschaubare Gruppe technikaffiner Zeitgenossen kaum jemand richtig versteht, was Bitcoins überhaupt sind und wie sie konkret entstehen. Gefährlich, weil der scheinbare "Wert" der Bitcoins zuletzt enorm gestiegen ist und dieses Faktum manchen womöglich zum Spekulieren veranlasst. Laut Markets Insider stand der Kurs eines Bitcoins am 6.8.2013 bei 99,42 Euro, heute steht er bei 2.500,43 Euro - ein Plus von sage und schreibe 2.415 Prozent. Bei einer derartigen "Wertsteigerung" schalten viele ihren Verstand aus. Aber von Dingen, die man nicht versteht, sollte man die Finger lassen. Auf mich machen Bitcoins den Eindruck, als wären sie ein Schneeballsystem. Und die Blase wird irgendwann unweigerlich platzen.
Man kann im Grunde auf privater Ebene alles zum Zahlungsmittel erklären, es kommt lediglich darauf an, dass sich ein bestimmter Kreis auf ein Zahlungsmittel einigt. Ich kann zum Beispiel meinen Fernseher für 200 Glasmurmeln verkaufen, solange ich darauf vertrauen kann, dass ich mit den Glasmurmeln auch einen PC erwerben kann. Das funktioniert, solange alle Beteiligten an der Übereinkunft festhalten, dass Glasmurmeln als untereinander zirkulierendes Zahlungsmittel akzeptiert werden.
Der Euro ist ein gesetzliches Zahlungsmittel, d.h. jeder muss ihn als solches akzeptieren. Bitcoins sind das nicht, sie behalten ihren "Wert" nur solange, wie die Besitzer (analog zu den Glasmurmeln) an der Übereinkunft festhalten. Zwingen kann man dazu allerdings keinen. Mein Bäcker wäre gewiss verwundert, falls ich auf die Idee käme, die Brötchen mit Bitcoins zu bezahlen. Und wenn eines schönen Tages keiner mehr Bitcoins haben will, kann man damit auch nichts mehr kaufen, sie würden ihren "Wert" vollständig einbüßen.
Nun sind auch die Rahmenbedingungen eines gesetzlichen Zahlungsmittels für den Normalbürger nicht auf Anhieb zu verstehen, etwa wie der Euro, den wir in der Tasche haben, genau entsteht. Der Unterschied zu Bitcoins ist jedoch: Der Euro basiert auf einer gesetzlichen Grundlage, und die wiederum ist Ausfluss einer demokratisch zustande gekommenen Übereinkunft. All das fehlt bei Bitcoins. Da bleibe ich doch lieber bei meinem schnöden Girokonto.



© Michael Schöfer, Kleinfeldstr. 27, 68165 Mannheim
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