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04. August 2017
Heute steht in der Süddeutschen unter der Überschrift "Drei Frauen, fünf Kinder, drei Städte" ein Artikel über einen Professor, der finanziell mächtig kämpfen muss, um über die Runden zu kommen. Grund: Unterhaltsverpflichtungen für seine vier Kinder. Und Schulden für einen VW-Bus. Er selbst wohnt mit seiner neuen Ehefrau (plus ein Stiefkind) in Hamburg, dort wohnt auch eine Ex-Frau mit drei großen Kindern und irgendwo in Baden-Württemberg eine andere Ex-Frau mit zwei kleinen Kindern. Der Arbeitsplatz des Professors ist in Alfter bei Bonn. Doch sein Geld reicht reicht angeblich vorne und hinten nicht, er hat hohe Rückstände bei den Unterhaltszahlungen. Aber der Herr Professor jammert auf vergleichsweise hohem Niveau - trotz der Unterhaltszahlungen. Rechnen wir mal kurz nach:
Das Nettogehalt des Professors beträgt 2.739,48 Euro, der Unterhalt für seine vier jüngeren Kinder (die älteste Tochter ist bereits 21 und verdient selbst Geld) kostet ihn 1.024 Euro, es verbleiben ihm demzufolge 1.715,48 Euro. Ich kenne etliche Beschäftigte, deren Nettogehalt sogar mit Vollzeitjob unter 1.715 Euro liegt, die aber dennoch im Leben zurechtkommen. Notgedrungen zurechtkommen müssen. Und mal ehrlich, wer fünf Kinder in die Welt setzt, muss für diese halt auch die Verantwortung übernehmen. Und ich kenne Väter, die irgendwann sagen: "Genug ist genug, ich lasse mich sterilisieren." Vielleicht, weil sie von vornherein die möglichen Folgen einkalkulieren.
In dem Artikel findet sich auch der Satz: "Würde [er] Grundsicherung beziehen, würde sich hingegen die 'ganze Palette an Wohltaten' entfalten." Mit Grundsicherung ist vermutlich Hartz IV gemeint. Von "Wohltaten" im Zusammenhang mit Hartz IV ist mir allerdings nichts bekannt, normalerweise liest man nur in BILD, wie gut es doch den Hartz IV-Empfängern im Vergleich zur arbeitenden Bevölkerung geht, nicht in der Süddeutschen. Sorry, ich will das Problem der unterhaltspflichtigen Väter keinesfalls kleinreden, aber für dieses Beispiel fehlt mir dann doch das Verständnis. Vor allem, weil nicht klar wird, was er als Alternative vorschlägt. Geringere Unterhaltszahlungen? Die würden auf Kosten der Kinder gehen. Dass der Staat die Unterhaltskosten übernimmt? Kann wohl keiner ernsthaft fordern. Dass sein Bruttogehalt von immerhin 4.600 Euro erhöht wird? Hätten wir nicht alle gerne mehr? Der Artikel lässt einen ratlos zurück.



© Michael Schöfer, Kleinfeldstr. 27, 68165 Mannheim
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