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14. Mai 2017
Es gibt Geld zu verteilen, die Steuereinnahmen sprudeln unerwartet stark. Doch was tun mit dem vielen Geld? Steuersenkungen, wie sie jetzt landauf, landab gefordert werden? "Eine jährliche Steuerentlastung von einer Milliarde Euro bringt dem einzelnen Bürger im Schnitt lediglich einen Euro im Monat", schreibt die Süddeutsche. Merkel will höchstens 15 Mrd. Euro für Steuersenkungen ausgeben, das wären demzufolge monatlich bloß 15 Euro. Das spürt der Einzelne kaum. Kauft sich jeder ein Essen mehr, gehen die 15 Mrd. den Gang alles Irdischen und sind dann fort. Verkonsumiert, nennt man das. Gewiss, die Restaurants freuen sich und das Geld ist dann erfolgreich in den Wirtschaftskreislauf eingespeist worden. Aber 2015 betrugen die privaten Konsumausgaben der Bundesbürger im Durchschnitt 2.391 Euro/Monat. 15 Euro mehr oder weniger fallen da kaum ins Gewicht. Anders ausgedrückt: Die 15 Mrd. gehen im großen Rauschen fast unmerklich unter.
Nun leiden wir in den Ballungsräumen bekanntlich an einer schweren Wohnungsnot, es fehlt bezahlbarer Wohnraum. Nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Baugewerbes betragen die Baukosten eines freistehendes Mehrfamilienhaus im mittleren Preissegment (12 Wohneinheiten, durchschnittliche Wohnungsgröße 73 qm) ca. 2.400 Euro pro qm, das wären demnach pro Haus 2,1 Mio. Euro. Würde man die 15 Mrd. nur in solche Mehrfamilienhäuser investieren, könnte man damit 7.134 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 85.608 Wohnungen errichten. Vorausgesetzt, der Staat baut auf bereits vorhandenen eigenen Grundstücken. Nur mal so als Anhaltspunkt. Die Häuser gehen jedenfalls nicht, wie das zusätzliche Essen im Restaurant, den Weg alles Irdischen, sie werden nämlich noch in ein paar Jahrzehnten genutzt. Würde der Staat die Wohnungen obendrein über eine eigene Wohnungsgesellschaft preiswert vermieten, bekäme er das Geld sogar peu à peu wieder zurück. Die Wohnungsnot wäre zumindest teilweise gemildert. Und die, die dringend bezahlbaren Wohnraum suchen, hätten wenigstens eine realistische Chance. Wenn Sie mich fragen, ich würde das Geld nicht mit Steuersenkungen verpulvern, ich würde das Geld nachhaltig investieren.



© Michael Schöfer, Kleinfeldstr. 27, 68165 Mannheim



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