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13. April 2017
Manche Staatschefs haben gewohnheitsmäßig Probleme mit der Wahrheit. Nein, es geht hier ausnahmsweise einmal nicht um US-Präsident Donald Trump, der allenthalben als notorischer Lügner bekannt ist, sondern um den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Vorgestern hat er noch großspurig eine UN-Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs auf Chan Scheichun gefordert. Die syrische Regierung sei unschuldig, versicherte er mit allem Nachdruck. Und es seien bereits neue "Provokationen" mit Chemiewaffen geplant, um sie anschließend dem Regime von Baschar al-Assad in die Schuhe zu schieben. Das kann man glauben oder auch nicht.
Gegen die Forderung einer Untersuchung durch die Vereinten Nationen ist überhaupt nichts einzuwenden, allerdings hat Russland - entgegen den Bekundungen Putins - im Sicherheitsrat per Veto bereits zum achten Mal eine Resolution verhindert, die genau das zum Ziel hatte: Aufklärung. In der von Frankreich, Großbritannien und den USA vorgelegten Resolution wurde die Assad-Regierung aufgefordert, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Sie sei angeblich "einseitig anti-syrisch", lautete der russische Einwand. Wer die Aufklärung des Angriffs verhindert, aber gleichzeitig Behauptungen von einer "False Flag"-Operation in die Welt setzt, macht sich total unglaubwürdig.
An diesem Beispiel kann man einmal mehr die zynische und verlogene Haltung Putins ablesen. Es geht ihm lediglich darum, nach außen hin den verkannten Friedensengel zu mimen, während er insgeheim einem durchtriebenen Spiel nachgeht. Und seine Claqueure spenden diesem Schmierenstück bereitwillig Beifall. Unter diesen Umständen ist es nahezu unmöglich, das notwendige Vertrauen aufzubauen, das man etwa für eine Sicherheitspartnerschaft bräuchte.



© Michael Schöfer, Kleinfeldstr. 27, 68165 Mannheim
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